Geschichte des Viertels

Auf geschichtlicher Spurensuche durch's Kardinalviertel

Das Kardinalviertel befindet sich in der Klagenfurter Innenstadt, nur wenige Schritte vom Lindwurm, am Neuen Platz, entfernt. In diesem Stadtteil findet man eine Reihe unterschiedlicher kleiner Geschäfte, von der Mode Boutique über das Spielwarengeschäft bis hin zum Radfachhandel und vieles Mehr (Für genauere Informationen zu den einzelnen Unternehmen klicken Sie hier)! Außerdem gibt es hier nette Cafés und Restaurants, welche zum Verweilen und Genießen einladen. Egal ob österreichische Hausmannskost, außergewöhnliche Sushi und Wok-Variationen, italienische Pizza et Pasta oder schmackhafte Burger, hier werden Sie fündig.

Doch das Kardinalviertel blickt auch auf eine reiche Geschichte zurück. Einige historische Denkmäler erinnern noch heute an die Geschehnisse, welche vor hunderten von Jahren im Herzen Klagenfurts stattfanden. Kommen Sie mit, auf eine kleine Zeitreise durch das Viertel!

Der Kardinalplatz bildet das Zentrum des Kardinalviertels. Er wurde im 16. Jahrhundert, im Zuge der Errichtung einer Befestigungsanlage rund um den Klagenfurter Stadtkern, gebaut. Der Bau der Stadtmauer begann im Jahre 1534 nach den Plänen des italienischen Baumeisters Domenico dell’Allio. Es wurde eine 15 Meter hohe Mauer errichtet und ein Stadtgraben ausgehoben. Zugang zur Innenstadt gewährten vier, in je unterschiedliche Himmelsrichtungen gerichtete, Stadttore. Im Kardinalviertel befand sich das Völkermarkter Tor. Stadtseitig der Tore wurde ein Wall aufgeschüttet, wodurch jene passiert werden konnten. Auch heute noch sind Teile der Befestigungsanlage erhalten und können besichtigt werden. So auch die Kardinalschütt und die Geyerschütt im Kardinalviertel, welche den damaligen Wall der Befestigungsanlage bildeten. Spaziert man die Kardinalschütt, welche direkt vom Kardinalplatz hinaufführt, entlang, so sieht man dort den Torrahmen der damaligen Torbastei. Südlich der Auffahrtsrampe Kardinalschütt befindet sich, zwischen den Häusern Kardinalschütt 4 und 5, der Eingang zur ehemaligen Poterne, welche quer durch die Stadtmauer führte. Heute befindet sich in dem rundbogigen Mittelaltergang ein Restaurant. Die Räumlichkeiten strahlen ein besonderes Flair aus. Das Völkermarkter Tor selbst steht heute nicht mehr.

Am Haus Kardinalplatz 3 findet man jedoch nach wie vor den Torlöwen, welcher seit Hunderten von Jahren an dieser Stelle wacht. Am Haus neben an – Getreidegasse 3 – befand sich viele Jahre lang eine Erinnerungstafel, auf welcher geschrieben stand: „Hier stand das alte, durch Türme befestigte Völkermarkter Tor“. Außerdem erinnerte der Text der Tafel daran, dass Klagenfurt niederbrannte und Kaiser Maximilian I. daraufhin die verarmte Stadt den Landständen schenkte, unter der Auflage, die Stadt wiederaufzubauen. Das Haus Getreidegasse 4 ist ein prunkvolles Gebäude im Stil der Wöthersee-Architektur. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den Architekten Rudolf Bayer und Wilhelm Hess errichtet. Wilhelm Hess ist auch der Architekt zahlreicher Villen rund um den Wörthersee.

Doch warum heißt der Kardinalplatz eigentlich Kardinalplatz?
Lange Zeit war der Platz der Viehmarkt der Stadt Klagenfurt- hier wurde gehandelt und eingekauft. Passend dazu ist auch die Straße Fleischbankgasse, unweit des Platzes, benannt. Als Fleischbank bezeichnete man im Mittelalter die Verkaufsstelle der Metzger und Fleischer. Aber auch die Namen vieler umliegender Straßen erinnern an das damalige Marktgeschehen. So findet man im Kardinalviertel beispielsweise die Getreide-, Bäcker-, und Paradeisergasse. Der frühere Viehmarkt erhielt Anfang des 19. Jahrhunderts den Namen Kardinalplatz. Dies trug sich wie folgt zu. Von 1797 bis 1813 fanden die französischen Invasionen in Kärnten statt. Auch Klagenfurt wurde drei Mal von den Napoleonischen Truppen besetzt. Die französischen Soldaten nutzten die Stadtmauer, um von deren Anhöhe aus, auf die österreichischen Truppen zu schießen. Als 1805 der Frieden von Preßburg besiegelt wurde, zogen die napoleonischen Truppen ab, nicht jedoch ohne zuvor die Klagenfurter Stadtmauer und ihre Stadttore zu sprengen. Nur das Völkermarkter Tor konnte vor der Zerstörung gerettet werden. Dies erfolgte durch eine Ablösezahlung des Kardinals Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt-Krautheim. Der Kardinal kaufte das Tor frei, wodurch eine einzige Zufahrt zur Stadt erhalten bleiben konnte. Die Trümmer der restlichen Stadtmauer blieben viele Jahre liegen, bis sich die Stadt eine Sanierung leisten konnte. Im Jahr 1807 stiftete der Kardinal Salm-Reifferscheidt der Stadt Klagenfurt einen Obelisken. Jener erinnert noch heute an die Friedensvereinbarungen zwischen Österreich und Frankreich. Der Obelisk im Zentrum des Kardinalplatzes ist außergewöhnlich schlank und 20 Meter hoch. Die Spitze der hohen Säule bilden ein Kreuz und eine Friedenspalme. Außerdem wurde das Bild einer Taube in den Marmor gehauen- der Obelisk ist ein Friedenssymbol. Dem Kardinal Fürst Salm-Reifferscheidt zu Ehren, wurde der Platz zuerst Fürstenplatz (1805) und anschließen Kardinalplatz (1920) genannt. Auch die anliegende Salmstraße ist nach ihm benannt. Während des NS-Regimes wurde der Platz vorrübergehend in Stuttgarter Platz umbenannt, erhielt jedoch nach dem Krieg wieder den Namen Kardinalplatz.

Als der Kardinalplatz noch als Viehmarkt genutzt wurde, war er umgeben von vielen kleinen Bürger- und Handwerkshäusern. Erst in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs Ende des 16. Jahrhunderts wurden Grundstücke zusammengelegt und größere Gebäude errichtet. So geschah es auch mit dem Grund, auf welchem heute das Haus Kardinalplatz 8 steht. Im Stadtplan von 1605 sind mehrere kleine Häuser eingezeichnet, später wurde jedoch ein großes Gebäude errichtet, welches im Laufe der Geschichte immer wieder als Hotel diente. So wurde beispielsweise 1865 das Hotel Europa eröffnet, welches vorrübergehend im Besitz des Theaterunternehmers Anton Ronacher war. Ronacher, welcher gebürtiger Kärntner war, wurde vor allem durch seine erfolgreichen Unterhaltungsetablissments in Wien bekannt. Noch heute kann man den palaisartigen Bau, welcher nach den Plänen Anton Bierbaums entstand, besichtigen. Auch die Fassade des nebenanliegenden Gebäudes, Kardinalplatz 7, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zuvor diente das Haus jedoch lange Zeit als Bäckerei und ist deshalb als das „Alte Bäckerhaus“ bekannt. In den 1960er Jahren wurde es von der Familie Todor übernommen. Café Konditorei Todor ist auch heute noch vielen KlagenfurterInnen ein Begriff. Hier hatte man sich getroffen und Kaffee und Süßspeisen genossen. Gegenüber des Café Todors lag das ebenso bekannte Geschäft Delikatessen Fruhmann. Hier, in den Räumlichkeiten des Kardinalplatzes 6, gab es die ersten exquisit belegten Brötchen in Klagenfurt.

In dem Gebäude nebenan, Adlergasse 1, befindet sich heute der Jazz-Club Kammerlichtspiele. Die Kammerlichtspiele wurden mitten während des Krieges, 1942, als Kino eröffnet. Wenige Jahre darauf wurde das Kino von der britischen Besatzung beschlagnahmt. Von 1945-1955 war es als britisches Militärkino unter dem Namen „Globe-Cinema“ bekannt. Hier wurden englische Filme für die britischen Besatzungssoldaten gezeigt. Erst 10 Jahre nach Kriegsende, wurden die Kammerlichtspiele nach gründlichen Renovierungsarbeiten wieder eröffnet. Seit 2008 sind die Kammerlichtspiele ein Jazz-Club mit abwechslungsreichem Kulturprogramm für Kinder und Erwachsene. Die Kammerlichtspiele bilden jedoch nicht den Anfang kinematographischer Vorstellungen im Kardinalviertel. Bereits 1901 fanden auf der Geyerschütt regelmäßig Filmvorstellungen statt. Es waren Wandervorführungen des Kinematographbesitzers Herrn Johann Bläser, welche mit dem Projektionsapparat Bioskop durchgeführt wurden.

Neben den Kammerlichtspielen, befindet sich das Haus der Bauern. Der Bauernbund siedelte sich im Jahre 1955 hier an. Von 1978-1982 wurde das Haus im Stil der Nachkriegsmoderne saniert. Die Architektur des Hauses kann dem Brutalismus zugeordnet werden, für welche der rohe, unverputzte Sichtbeton und die groben geometrischen Formen charakteristisch sind. Auch heute noch sorgt das wuchtige Betonschiff für Kontroversen.

Gegenüber des Hauses der Bauern befindet sich die Hasnerschule. Die Geschichte der Schule geht bis in die 1890er Jahre zurück. Die 1896 eröffnete Bildungseinrichtung wurde damals Bismarkschule genannt und war in einen Realschulteil für Knaben, einen Volksschultrakt für Mädchen und den Teil der Communal-Handelsschule unterteilt. Die ehemalige Lidmanskyschule diente ab 1861 als Schule. Bis 1890 war es eine „Staatshandwerksschule“, anschließend eine Bürgerschule. In den Jahren von 1945 bis 1949 wurde das Gebäude von der englischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, im Anschluss jedoch wieder zur Schule umfunktioniert.

Beide Schulgebäude befinden sich in der Lidmanskygasse. Die Straße ist nach dem Fürstbischof von Gurk Adelbert Josef Lidmansky (1795-1858) benannt. Jener studierte Philosophie und Theologie in Budweis und wurde 1818 zum Priester geweiht. 1842 wurde er dann zum Fürstbischof von Gurk ernannt. Parallel zur Lidmanskygasse verläuft die 8.Mai Straße. Dieser Straßenname erinnert an das Ende der Nazi-Herrschaft in Kärnten 1945. Am 7. Mai 1945 kapitulierte der NSDAP-Gauleiter Friedrich Rainer. Und am 8. Mai 1945 marschierten die britischen Truppen in Kärnten ein, wo sie freudig begrüßt wurden. Leider stellte dieser Tag jedoch noch nicht das Ende der Kriegsverbrechen dar, wie die Geschichte lehrte.

Das Kardinalviertel blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. An manchen Orten im Viertel kann man Teile dieser Geschichte noch entdecken.

Weitere Informationen finden Sie im Ausstellungskatalog “Geschichte und Geschichten aus dem Kardinalviertel” hier.

Quellen:

Austria-Forum: Stadtbefestigung Klagenfurt
https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Stadtbefestigung_Klagenfurt (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Jandl, Dieter (1996): Der Platz – Die Geschichte und die Geschichten. In: Der Platz, die Menschen, die Stadt. Der Alte Platz im Wandel der Zeit. Magistrat der Landeshauptstadt Klagenfurt: Kärntner Druckerei. URL: https://www.klagenfurt.at/_Resources/Persistent/6a8e7b33a92d47b2ae8d4d91da9f2ffbfad53d7f/Geschichte_und_Geschichten.pdf (letzter Zugriff: 29.4.2020)

Landesmuseum Kärnten: Kärnten und der Franzosenkaiser. „Karambolage 1809“ Ausstellung, 2009. URL: https://www.napoleoncities.eu/index.php?article_id=347&clang=0 (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Stadt Klagenfurt: Obelisk. URL: https://www.klagenfurt.at/die-stadt/stadtbummel/sehenswuerdigkeiten/obelisk.html (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Klagenfurt Innenstadt / Kardinalplatz. URL: http://www.indra-g.at/klagenfurt-innenstadt/kardinalplatz/kardinalplatz-01.htm (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Peterl, Klaus: Kinogeschichten. Vom Kriegskino zum Jazz-Club. URL: http://www.kinogeschichte.at/kammerli.htm (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Kärntner Bauernbund: Geschichte. URL:https://www.kaerntner-bauernbund.at/geschichte/ (letzter Zugriff: 5.5.2020)

ORF: 8. Mai – Kärnten zu Kriegsende 194. URL: https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2709653/ (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Thaler, Nadine. 2019. Geschichte und Geschichten aus dem Kardinalviertel. Ausstellungskatalog 2019. URL:  https://kardinalviertel.at/ausstellungskatalog-geschichte-und-geschichten-aus-dem-kardinalviertel/ (letzter Zugriff: 5.5.2020)

Kardinalplatz 1905

Kardinalplatz heute

Torlöwe

des ehemaligen Völkermarktertors (16. Jh)

Poterne heute

KYO Kitchen & Bar

Wörthersee-Architektur

Getreidegasse 4

Obelisk

am Kardinalplatz

Hotel Europa

Kardinalplatz 8
(1865 eröffnet)

Stadtplan Klagenfurt

Viehplatz = Kardinalplatz

Kammerlichtspiele heute

Jazz-Club

Haus der Bauern

Baustil: Brutalismus (ab 1950er)

Lidmanskygasse